Hier sind kleine Notizen. Gedanken über’s Tanzen oder tanzende Gedanken. Mal über die Praxis, mal als Praxis. Mal auf Deutsch mal auf Englisch – je nach Kontext denke ich manchmal in verschiedenen Sprachen. Es ist ein Experiment. Wenn es viele werden wird dieser kleine Einführungstext mal eine Oberseite und jede Notiz bekommt ihren eigenen Link. Erst mal geht es aber direkt hier los:
On doing little – on presence in CI 15.04.2026
„I did very little, but they way I did it made it feel like I danced a lot“ (jam participant/k77 jam Tuesday morning, beginning of April)
This – or something very similar – was a sharing of a jam participant last week. Often it is exactly this what makes a space accessible and interesting for me. The readiness of people to listen to what is present right now. The willingness to fully be with it. And acknowleging that this is what they are contributing to a shared space. In this case for this jam participant it was doing little. Allowing to not perform. Slowing down in order to sense. Or not forcing speed to meet some (real or imagined) expectations of what dancing is supposed to look like. Not easy to do in a society that demands constant and reliable productivity and posits it as a prerequisite of our worth.
So there can be relief in doing little. Yet there is no ONE way of being present. Just as valid could be the sentence: „I did a lot, but I did it with such an ease that it felt very little“ Or „I struggled with contradictory impulses and allowed myself to be with the struggle instead of deciding for one“…
Many more versions of a sentence like these would be possible. All are ways of being in the space that allow for connection.
For me this way of attending to a space and to an encounter is an important part of Contact Improvisation. With each moment, each different day, each different encounter as a possibility for research of what is true right now. What is true for me with you here? Technical skills like gradually sharing weight have their place. Practicing pathways in order to understand basic principles has its place. Yet this is the improvisation in Contact Improvisation. It is where both the challenge and the magic live!
Praxis als PAZ 13.04.2026
Heute ein paar Minuten auf meiner Matte gelegen/bewegt und mit Bewegungsevolution als Persönliche Autonome Zone (kurz: PAZ) gespielt.
Ein Geständnis: im Alltag verliere ich oft extrem leicht den Bezug zu dem was ich „eigentlich“ mache. Dass ich Tänzerin bin, ist nicht automatisch spürbar. Ich habe 2024 einen Essay geschrieben (der hoffentlich 2027 endlich erscheint) „towards non-normative bodyminds – somatics based dance practice as neuroqueering“. Aber wo gelingt mir das eigentlich selbst außerhalb des Tanzstudios mit anderen?
Wie werde ich für mich selbst sichtbarer? Wie schaffe ich es im kapitalistischen Hamsterrad, das mich dazu anhält meine Zeit möglichst gewinnmaximierend zu nutzen das Spüren, das Spielen und mein eigenes Wollen nicht aus den Augen zu verlieren? Dazu kommt: das sage ich in dem Bewusstsein schon um einiges mehr an Freiheit zu besitzen als andere. Z.B. Menschen mit Kindern. Menschen, die in viel engeren Strukturen als ich funktionieren müssen. Menschen, die mehrfach marginalisiert sind… Das sage ich aber auch als Person, der das funktionieren KÖNNEN überhaupt nicht selbstverständlich ist. Es ist oft eher ein Ausnahmegefühl als die Regel. (Wie geht es dieses Spannungsfeld im Bewusstsein zu halten ohne, dass die eine Wahrheit die andere auslöscht?)
Die Zeit heute auf der Matte waren nur 10 Minuten. Diese 10 Minuten zu nehmen braucht Disziplin. Und genau dagegen gibt es sehr oft Widerwillen. Disziplin als (scheinbarer!) Widerspruch zu Genuss. Verknüpft mit einem Gefühl von Fremdbestimmung und Zwang. So fühlt es sich im Alltag oft an. Als sei es Teil des omnipräsenten Hamsterrads.
Aber in der Improvisation empfinde ich das nicht so. Wenn ich im Tanz mit Scores spiele sind selbstgesetzte Grenzen eine Freude. Sie sind Gelegenheiten, meine Wahrnehmung zu schärfen. Sie sind Einladungen Gewohnheiten zu verlassen und damit zu spielen welche Möglichkeiten sich in genau DIESER Begrenzung finden lassen. Ein produktives sich reiben an der Welt. Nicht immer komfortabel, manchmal konfrontierend. Aber zumeist entsteht etwas Unvorhergesehenes.
Heute auf der Matte habe ich mich auch überrascht. Mit neuen Worten für die verschiedenen Phasen der Bewegungsentwicklung, mit der sich Bewegungsevolution beschäftigt. Mit der Erkenntnis, dass wenn das Terrain ausreichend vertraut ist auch 10 Minuten reichen um einen Shift im Nervensystem zu generieren. Mit der Aussicht darauf, dass tägliche Praxis nicht zeitaufwändig sein muss, nicht ein weiterer Punkt auf der To-Do-Liste sein muss, sondern eine Form (von vielen möglichen) der PAZ darstellen kann, die mich im Alltag verankern und verorten.